26.02.2020 – Blackout – Teil 2

Heute nun der praktische Übungsdienst zum Thema Blackout, also die Fortsetzung vom 05.02.2020. Das unheimliche Szenario war, daß im kalten und nassen Winter in weiten Teilen Niedersachsens der Strom ausgefallen ist und auch für weitere 6 – 8 Stunden nicht zurückkehren würde. So ein Szenario hätte den Einsatzfall STROM3 oder STROM4 zur Folge und logischerweise nicht nur unsere Feuerwehr in Marsch gesetzt. Konsequenterweise war auch im Feuerwehrhaus Kirchhorst an diesem Abend kein Strom und kein Gas, so daß die Lagebesprechung bei Peli-Light stattfand.

Unsere Aufgabe war es nun, die Einsatzbereitschaft herzustellen, da mit vermehrten Einsätzen für technische Hilfeleistung zu rechnen war. Außerdem sollte das Feuerwehrhaus als Meldekopf dienen, also als Verbindungsstelle zu der örtlichen Einsatzleitung, die wiederum zu den nächst höheren Leitungsstellen Verbindung aufbaut und hält. Im Feuerwehrhaus benötigen wir dazu Strom und Licht, Funk- und Schreibarbeitsplätze, kalte und warme Getränke sowie Sitzplätze für die zu erwartende Zivilbevölkerung, die um Rat oder Hilfe bittet.

Klaus und sein Team öffneten die sonst elektrisch betriebenen Rolltore mit einer Notfallprozedur von Hand und fuhren die Fahrzeuge vor das Tor, Timo begann mit seinem Trupp den Aufbau der Strom- und Lichtversorgung, in dem erst einmal unser alter Reserve-Stromerzeuger klar gemacht wurde. Die Arbeit, überall einen „wohnlichen“ Zustand herzustellen, sollte noch bis 21 Uhr dauern und alle Kräfte fordern. Überall mussten Kabel und Steckdosen stolperfallenfrei verlegt und befestigt werden. Das Team Meldekopf baute zwischenzeitlich Funkgeräte und PC/Drucker auf, und nahm mit der örtlichen Einsatzleitung Funkkontakt auf. Die wurde vom Kameraden Maik in Awb besetzt und sehr realistisch ausgefüllt. Kein Wunder, denn er macht diese Aufgabe auch oft bei Unwetterlagen – vielen Dank dafür!

Die Arbeit war gerade zugeteilt und fleißig angelaufen, da kam auch schon der erste Einsatz: In einem Seniorenwohnheim war ein Aufzug stecken geblieben. Die dafür eingeteilte Staffel fuhr also unter Leitung von Sven zum Objekt, erkundete die Lage, beruhigte die Person im Fahrkorb und konnte den Fahrgast schließlich befreien. Wir nutzten diese Übungslage natürlich, um allen Kameraden, die sich vorher noch nicht mit einem Aufzug beschäftigt hatten, eine Einweisung zum Ablauf im Maschinenraum zu geben.

Dort waren wir noch nicht ganz fertig, da gab es das nächste Problem im gleichen Objekt: Ein (natürlich simuliertes) Beatmungsgerät eines „Patienten“ im 1. OG lief schon länger auf Akkubetrieb, schlug nun Alarm und drohte in Kürze ganz auszufallen. Schnell musste also irgendwie Strom an das Bett gebracht werden. Was erst einfach klingt, war es dann doch nicht, denn die Wegstrecke vom Fahrzeug zum Bett wurde unterschätzt und der optimale Weg durchs Gebäude war nicht gleich erkennbar. Die erste Idee, durch ein geöffnetes Fenster ein Kabel zu werfen, wurde vom Übungsleiter abgelehnt, angesichts Regen, leichtem Wind und 1-2 Grad Außentemperatur. Das wollten wir weder dem „Patienten“ noch dem Gastgeber, Hrn. Lawson und seiner Heizungsrechnung zumuten.

Unterdessen gingen im Feuerwehrhaus verschiedene Aufträge und Meldungen ein, u.a. Info-Aushänge für die Bevölkerung zu drucken und Lautsprecherdurchsagen mit dem MTF zu fahren. Sobald das Stromnetz eingerichtet war, lief auch das Drucken. Nach letzten Restarbeiten und kleinen Verbesserungen in der Kabelführung war um etwa 21:30 unser Fw.-Haus vollständig aufgerüstet. Das Hausteam konnte sich nun parallel um warme Verpflegung kümmern. Auf dem Gasgrill sollte eine vegetarische und eine fleischhaltige Suppe warm gemacht und Kaffee gekocht werden. Das funktionierte wie erhofft ohne Probleme, auch wenn wir feststellen mußten, daß ein Topf mit Plastikgriffen für diese Betriebsart ungeeignet ist.

Um 21:45 war dann gemeinsames Essen, Manöverkritik und anschließend der Rückbau. Wie sich am Abend zeigte, war es durchaus möglich, unsere Feuerwehr in diesem Szenario für eine Weile einsatzbereit zu halten. Ab wann es dann eng wird, konnten wir im Übungsdienst nicht ausprobieren. Vielen Dank an alle Kameraden, die in dieser Übung mitgeholfen und realistisch mitgespielt haben, und natürlich auch Hrn. Lawson vom örtlichen Seniorenwohnheim für das großzügige Hosting der Übungslage. Hoffen wir, daß wir diese Lage nicht so schnell bekommen. [PS]